Interview mit Krystyna Kuhn
Aschenputtelfluch, Schneewittchenfalle, Dornröschengift – die Titel ihrer Jugendromane sind alle nach dem gleichen Schema gebaut.
Bei meinen ersten beiden Büchern waren die Märchenmotive Zufall. Dem Verlag ist das aber sofort aufgefallen. Jetzt wähle ich bewusst diese zweiteiligen Titel: Ein Märchen wird vorangestellt, der zweite Teil ist ein Thriller-Wort.
Warum verbinden Sie Märchen- und Thriller-Motive?
Märchen sind ja irgendwie thrillermäßig. Sie erzählen Muster von Dingen, die einem zustoßen können. Bei Aschenputtel geht es nun mal um Mobbing. Diese psychologischen Motive übernehme ich. Aber ich baue auch Märchenbilder in meine Geschichten ein, in Aschenputtelfluch etwa den Hausschuh, der auf der Treppe liegen bleibt.
Aschenputtelfluch hat ja auch ein Märchenende. Zumindest wird Jule von ihrem Prinzen gerettet.
Das ist für mich ganz wichtig. Ich habe gerne ein Happy End. Gerade die Jugendlichen brauchen ein Happy End in ihrem Leben. Die sollen wissen, dass sie aus ihren Schwierigkeiten auch wieder rauskommen. Ich habe schon einen gewissen pädagogischen Anspruch, den man aber nicht direkt bemerkt.
Warum haben Sie eine Geschichte über Mobbing geschrieben?
Die Atmosphäre ist heute ganz anders als vor 30 Jahren: Die Jugendlichen beobachten sich gegenseitig viel mehr. Es ist weniger Mobbing, sondern mehr noch der permanente Wettbewerb: Wer ist die Schönste, Größte und Intelligenteste. Das löst das Markenbewusstsein ab. Ich wollte darüber schreiben, wie man aus so einer Situation herauskommen kann und es schafft, damit umzugehen.
Die 16-jährige Jule schreibt Online-Tagebuch und wird bei YouTube gemobbt. Wie schaffen Sie es, uptodate zu bleiben und bei den Jugendlichen den richtigen Nerv zu treffen?
Ich habe eine 16-jährige Tochter. Insofern habe ich den Kontakt. Das fällt mir aber auch nicht sonderlich schwer, weil ich für Jugendliche großes Verständnis habe. Ich kann mich auch noch gut an meine Jugend erinnern. Vieles probiere ich auch selbst aus, beispielsweise das Online-Tagebuch-Schreiben.
Wie entstehen Ihre Bücher?
Die Ideen sind Assoziationsketten: Da kommt eins zum anderen. Zuerst habe ich das Märchen im Kopf, beispielsweise die Schneekönigin. Dann weiß ich schon mal: Die Geschichte muss im Winter spielen und von einer eiskalten Person handeln. Dann erschaffe ich die Umgebung. Leider gelingt es mir nicht, dass ich ein Buch in Bayern spielen lasse. Vielleicht bin ich da einfach zu nah dran, ich suche mir immer einen Ort im Osten. Inzwischen nehme ich mir sehr viel Zeit für die Vorbereitung und konstruiere erst den ganzen Plot, bevor ich anfange zu schreiben.
Was raten Sie Jugendlichen, die auch schreiben möchten?
Es ist ein schwerer Weg. Aber wer leidenschaftlich schreibt, wird seinen Weg machen. Der Weg entscheidet sich durchs Tun. Ich fände es gut, wenn das Schreiben in der Schule stärker gefördert würde, weil die Jugendlichen dabei lernen sich auszudrücken. Sprache ist wichtig. Wer gut reden kann, kann dem anderen mitteilen, was er will.